Dropshipping Startkapital: Was du wirklich brauchst
Kurz gesagt
Dropshipping braucht kein Geld für Lagerware, aber trotzdem Startkapital: für Shopsystem, Domain, Testbestellungen, Rechtstexte und vor allem für Werbung, ohne die ein neuer Shop kaum Besucher bekommt. Wer weniger als ein paar Hundert Euro Testbudget für Anzeigen hat, kann kaum herausfinden, ob ein Produkt profitabel läuft. Dazu kommen Pflichten wie Produktsicherheit und Verpackungsregister.
Kein Lager, kein Risiko, null Startkapital: So wird Dropshipping in Kursen und Videos verkauft. Das Lager fällt tatsächlich weg, weil der Lieferant die Ware direkt an deinen Kunden schickt. Alles andere bleibt. Und der größte Posten ist ausgerechnet der, den Kursanbieter am liebsten kleinreden: die Werbung.
Ein neuer Shop hat keine Besucher. Besucher kosten Geld.
Wofür beim Dropshipping Geld anfällt
Eine nüchterne Liste der Kosten, bevor der erste Euro Gewinn übrig bleibt:
| Posten | Einmalig oder laufend | Was du einplanen solltest |
|---|---|---|
| Gewerbeanmeldung | einmalig | in Berlin 15 Euro online, 26 Euro vor Ort, andere Gemeinden eigene Gebühren |
| Shopsystem | laufend | Shopify zeigte im Oktober 2026 für den Basic-Tarif 27 US-Dollar monatlich oder 19 Dollar bei Jahreszahlung, Preise je nach Region |
| Domain, Theme, Apps | einmalig und laufend | Domain gering, Apps summieren sich schnell |
| Rechtstexte | einmalig oder Abo | AGB, Widerrufsbelehrung, Datenschutz, Impressum |
| Testbestellungen | einmalig | jedes Produkt selbst bestellen, Qualität und Lieferzeit prüfen |
| Werbung | laufend | der größte Posten, Budget pro getestetem Produkt |
| Verpackungsregister und duales System | je nach Lieferkette | Registrierung bei LUCID kostenlos, Systembeteiligung kostet |
Die Zahlen zu Shopify stammen von der deutschen Preisseite des Anbieters. Prüfe sie vor dem Start selbst, weil Tarife und Testangebote oft wechseln.
Auffällig: Fast jeder Posten ist klein. Der Werbeposten nicht.
Warum ohne Werbebudget kaum etwas passiert
Ein frisch gestarteter Shop rankt bei Google nicht, hat keine Follower und keine Stammkunden. Organische Reichweite über Social Media ist möglich, dauert aber Monate und ist kaum planbar. Deshalb testen Dropshipper Produkte fast immer mit bezahlten Anzeigen: Ein Produkt bekommt ein festes Budget, und nach einigen Tagen zeigt sich, ob Käufe zu tragbaren Kosten kommen.
Ohne dieses Budget fehlt die Datengrundlage. Du weißt nicht, ob das Produkt schlecht ist, die Anzeige oder der Preis. Wer Werbedaten ernsthaft auswerten will, merkt schnell, dass Kennzahlen wie Kosten pro Kauf eine eigene Disziplin sind; größere Händler lassen sich dafür eigene Datenanalysen aufsetzen. Am Anfang reicht eine saubere Tabelle.
Rechenbeispiel: Was von einem Verkauf übrig bleibt
Die folgende Rechnung nutzt angenommene Werte für ein Produkt aus Fernost. Sie zeigt, wie dünn die Marge wird, sobald die Werbung pro Verkauf einberechnet ist.
- Verkaufspreis brutto
- 39,90 €
- Umsatzsteuer 19 %
- − 6,37 €
- Einkauf inklusive Versand zum Kunden
- − 14,00 €
- Zahlungsgebühr (angenommen 3 %)
- − 1,20 €
- Werbekosten pro Verkauf
- − 12,00 €
- Deckungsbeitrag vor Retouren und Einkommensteuer
- 6,33 €
Alle Werte außer dem Steuersatz sind Annahmen. Retouren, Rückbuchungen und Fixkosten kommen noch dazu.
Sechs Euro pro Verkauf, bevor eine einzige Rücksendung, Rückbuchung oder Monatsgebühr abgezogen ist. Steigen die Werbekosten pro Verkauf auf 18 Euro, ist das Geschäft im Minus. Genau deshalb ist ein Testbudget kein Luxus: Es ist der Preis dafür, herauszufinden, ob diese Rechnung bei deinem Produkt aufgeht.
Pflichten, die Dropshipper oft übersehen
Rechtlich bist du gegenüber deinem Kunden der Verkäufer. Dein Lieferant in Shenzhen ist für den Kunden unsichtbar, und Gewährleistung, Widerruf und Produktsicherheit landen bei dir.
Vier Punkte, die regelmäßig unterschätzt werden:
- Produktsicherheit. Seit dem 13. Dezember 2024 gilt die EU-Produktsicherheitsverordnung (EU) 2023/988. Für Produkte auf dem EU-Markt muss ein verantwortlicher Wirtschaftsakteur in der EU benannt sein, und Online-Angebote müssen Angaben zu Hersteller und Sicherheitshinweisen enthalten. Bei Ware direkt aus China ist das oft ungeklärt.
- Verpackungen. Je nach Lieferkette kann dich die Registrierungspflicht im Verpackungsregister LUCID treffen, bevor die erste Sendung rausgeht. Die Registrierung ist kostenlos, die Beteiligung an einem dualen System nicht.
- Widerruf und Rücksendung. Verbraucher haben 14 Tage Widerrufsrecht. Ob die Rücksendung nach Asien geht oder bei dir landet, ist dein Problem, nicht das des Kunden.
- Einfuhrabgaben. Seit Juli 2021 fällt bei Sendungen aus Nicht-EU-Ländern Einfuhrumsatzsteuer ab dem ersten Euro an. Die Zollbefreiung für Sendungen bis 150 Euro gibt es nicht mehr: Seit dem 1. Juli 2026 erhebt die EU übergangsweise bis Juli 2028 einen Pauschalzoll von 3 Euro je Warenart in der Sendung, so die EU-Kommission. Prüfe den aktuellen Stand beim Zoll, bevor du kalkulierst.
Dazu kommen die Pflichten, die jeder Onlineshop hat: Impressum, Widerrufsbelehrung, Datenschutzerklärung und ein eindeutig beschrifteter Bestellbutton.
Welches Startkapital realistisch ist
Eine pauschale Zahl wäre unseriös, weil Werbekosten je nach Nische stark schwanken. Sinnvoller ist eine Rechnung nach Bausteinen. Du brauchst Geld für drei Monate Fixkosten, für Testbestellungen jedes Produkts und für ein Werbebudget, das mehrere Produkte trägt, bis eines funktioniert.
- Werbetests für mehrere Produkte70 %
- Shop, Apps, Domain für drei Monate12 %
- Testbestellungen8 %
- Rechtstexte, Anmeldung, Register10 %
Eigene Beispielaufteilung zur Orientierung, keine Marktdaten. Der Werbeanteil ist bewusst hoch, weil er über Erfolg oder Abbruch entscheidet.
Wichtig ist die Reihenfolge: Werbebudget zuerst, Shop-Schnickschnack zuletzt. Ein teures Theme verkauft kein schlechtes Produkt.
Und eine klare Warnung: Nimm für Werbetests keinen Kredit auf. Ein Förderkredit wie der KfW-Gründerkredit ist für ein tragfähiges Konzept gedacht, nicht für ein Experiment, das du in zwei Wochen beendest.
Woran du einen brauchbaren Lieferanten erkennst
Der Lieferant entscheidet beim Dropshipping über Lieferzeit, Qualität und Rücksendungen, also über fast alles, was deine Kunden erleben. Bevor du ein Produkt bewirbst, sollte er diese Fragen beantworten können:
- Von wo wird versendet, und wie lange dauert die Zustellung nach Deutschland tatsächlich?
- Gibt es eine Rücksendeadresse in der EU?
- Sind Herstellerangaben, Warnhinweise und ein verantwortlicher Wirtschaftsakteur in der EU benannt?
- Stellt der Lieferant ordentliche Rechnungen aus, die dein Steuerberater akzeptiert?
- Kann er Muster liefern, bevor du verkaufst?
Antwortet ein Lieferant ausweichend, ist das eine Antwort. Schreib dir die Antworten auf, mit Datum, damit du bei Problemen später belegen kannst, was zugesagt war. Ein Produkt, dessen Herkunft du nicht belegen kannst, ist für dich als Verkäufer ein Haftungsrisiko, kein Schnäppchen.
Wann Dropshipping trotzdem passt
Es gibt Konstellationen, in denen das Modell funktioniert. Meist haben sie wenig mit dem Bild aus den Kursen zu tun.
Großhändler in Deutschland und der EU bieten Streckengeschäft an: Sie liefern direkt an deine Kunden, mit kurzer Lieferzeit, deutschen Rechnungen und geklärter Produktsicherheit. Die Marge ist kleiner, das Risiko auch. Wer eine bestehende Community hat, etwa als Fachblogger, Trainer oder Vereinsvorstand, braucht weniger Werbung und kann gezielt passende Produkte anbieten. Und im B2B-Bereich ist Streckengeschäft seit Jahrzehnten normal, nur heißt es dort nicht Dropshipping.
Wer weder Budget noch Publikum hat, fährt mit einem anderen Modell besser. Eine Dienstleistung aus der Liste der Geschäftsideen ohne Startkapital bringt schneller Geld, und digitale Produkte haben keine Einkaufs- und Versandkosten.
Wenn du dich trotzdem für Dropshipping entscheidest, ist dein nächster Schritt eine Tabelle mit drei Produkten, ihrem Einkaufspreis inklusive Versand, deinem geplanten Verkaufspreis und dem Betrag, den ein Verkauf an Werbung kosten darf, bevor du Geld verlierst. Erst danach lohnt es, ein Gewerbe anzumelden; was das kostet, steht im Beitrag zu den Kosten der Gewerbeanmeldung.
Häufige Fragen
Kann man Dropshipping mit 0 Euro starten?
Technisch kannst du einen Shop in einer Testphase ohne Kosten aufsetzen. Verkaufen wirst du ohne Werbung aber kaum etwas, und Gewerbeanmeldung sowie Testbestellungen kosten ebenfalls Geld. Null Euro ist ein Werbeversprechen von Kursanbietern, kein Geschäftsplan.
Muss ich für Dropshipping ein Gewerbe anmelden?
Ja. Handel ist gewerblich, die Anmeldung erfolgt beim Gewerbeamt deiner Gemeinde mit Beginn der Tätigkeit. Danach meldet sich das Finanzamt mit dem Fragebogen zur steuerlichen Erfassung.
Wer haftet, wenn ein Produkt aus China mangelhaft oder gefährlich ist?
Gegenüber deinem Kunden haftest du als Verkäufer für Mängel, nicht dein Lieferant. Seit Dezember 2024 verlangt die EU-Produktsicherheitsverordnung zudem, dass für Produkte ein verantwortlicher Wirtschaftsakteur in der EU benannt ist und Herstellerangaben im Angebot stehen.
Lohnt sich Dropshipping 2026 noch?
Für wenige, die eine Nische, einen verlässlichen Lieferanten in der EU und ein Werbebudget haben. Als Weg, ohne Geld schnell Geld zu verdienen, eignet es sich nicht.