Kosten der Selbstständigkeit im ersten Jahr: alle Posten
Kurz gesagt
Im ersten Jahr der Selbstständigkeit sind Kranken- und Pflegeversicherung der größte Fixposten: 2026 mindestens rund 278 bis 286 Euro im Monat für Kinderlose. Dazu kommen Versicherungen, Software, Konto und eventuell Steuerberatung. IHK und Gewerbesteuer fallen für kleine Gründer oft nicht an. Teuer wird meist das zweite Jahr, wenn Steuernachzahlung und Vorauszahlungen zusammenkommen.
Das erste Jahr der Selbstständigkeit fühlt sich oft billiger an, als es ist. Kein Steuerbescheid, keine Vorauszahlungen, die IHK verlangt nichts. Die Rechnung kommt später, und zwar gebündelt. Wer im ersten Jahr 30.000 Euro Gewinn macht und alles ausgibt, erlebt im zweiten Jahr einen Herbst, an den er sich lange erinnert.
Hier alle Posten, mit Zahlen für 2026, sortiert nach Größe.
Die Fixkosten im Überblick
Für einen hauptberuflichen Dienstleister ohne Angestellte sieht die Liste so aus. Wer nebenberuflich startet, kann die Krankenversicherung meist streichen.
| Posten | Pflicht? | Größenordnung 2026 |
|---|---|---|
| Kranken- und Pflegeversicherung | ja, für hauptberuflich Selbstständige | mindestens rund 278 bis 286 € im Monat, kinderlos |
| Altersvorsorge | nur für bestimmte Berufsgruppen Pflicht | frei wählbar, sonst Lücke |
| Berufs- oder Betriebshaftpflicht | je nach Beruf, oft dringend empfohlen | abhängig von Branche und Deckung |
| Buchhaltungssoftware, Rechnungen | praktisch ja | kleiner Monatsbetrag |
| Steuerberatung | nein | abhängig vom Umfang, nach Gebührenverordnung |
| Geschäftskonto | nicht immer, aber sinnvoll | von kostenlos bis zweistellig im Monat |
| IHK-Beitrag | Mitgliedschaft ja, Beitrag oft nein | 0 € bei Kleingewerbe bis 5.200 € Gewinn |
| Gewerbesteuer | nur über Freibetrag | 0 € bis 24.500 € Gewerbeertrag |
| Berufsgenossenschaft | je nach Branche und Satzung | branchenabhängig |
Zwei Posten machen den Unterschied: die Krankenversicherung, weil sie hoch und unvermeidlich ist, und die Steuer, weil sie zeitversetzt kommt.
Krankenversicherung: der größte Fixposten
Als hauptberuflich Selbstständiger in der gesetzlichen Krankenversicherung zahlst du den vollen Beitrag allein. Die Kassen berechnen ihn nach deinem Einkommen, aber 2026 mindestens auf eine Bemessungsgrundlage von 1.318,33 Euro im Monat. Das entspricht einem Drittel der monatlichen Bezugsgröße von 3.955 Euro.
| Kriterium | Ohne Krankengeld | Mit Krankengeld |
|---|---|---|
| Beitragssatz Krankenversicherung | 14,0 % | 14,6 % |
| Durchschnittlicher Zusatzbeitrag | 2,9 % | 2,9 % |
| Pflegeversicherung kinderlos | 4,2 % | 4,2 % |
| Monatlicher Mindestbeitrag auf 1.318,33 € | 278,17 € | 286,08 € |
Der durchschnittliche Zusatzbeitrag ist für 2026 amtlich auf 2,9 % festgelegt. Deine Kasse kann mehr verlangen. Mit Kindern ist der Pflegebeitrag niedriger.
Verdienst du mehr, steigt der Beitrag mit deinem Einkommen bis zur Beitragsbemessungsgrenze. Die Kasse setzt ihn zunächst vorläufig fest, meist nach deiner Schätzung, und rechnet endgültig ab, sobald der Einkommensteuerbescheid vorliegt. Liegt dein Gewinn höher als geschätzt, kommt eine Nachforderung. Auch das ist ein Posten, der im zweiten Jahr auftaucht.
Wer in der ersten Zeit einen Gründungszuschuss bekommt, sieht hier die eigentliche Funktion der 300 Euro: Sie decken ziemlich genau diesen Mindestbeitrag.
Rentenversicherung: Pflicht für wenige, Lücke für viele
Die meisten Selbstständigen sind nicht rentenversicherungspflichtig. § 2 SGB VI nennt aber Gruppen, die es sind, darunter selbstständige Lehrer und Dozenten ohne versicherungspflichtige Angestellte, Pflegepersonen, Hebammen und in die Handwerksrolle eingetragene Handwerker. Künstler und Publizisten sind über die Künstlersozialkasse versichert, die einen Teil des Beitrags übernimmt.
Wer zu keiner dieser Gruppen gehört, zahlt nichts, hat dann aber auch keine Vorsorge. Am Anfang ist das verständlich. Es sollte nur nicht zum Dauerzustand werden.
Freiwillige Arbeitslosenversicherung: klein, aber oft sinnvoll
Ein Posten, den viele erst entdecken, wenn es zu spät ist. Wer in den 30 Monaten vor der Gründung mindestens zwölf Monate versicherungspflichtig gearbeitet oder unmittelbar davor Arbeitslosengeld bezogen hat, kann sich als Selbstständiger freiwillig in der Arbeitslosenversicherung weiterversichern (§ 28a SGB III). Der Antrag muss innerhalb von drei Monaten nach Aufnahme der Selbstständigkeit bei der Agentur für Arbeit eingehen. Danach ist die Tür meist zu.
Der Beitrag ist überschaubar. Nach § 345b SGB III zahlen Gründer bis zum Ende des Kalenderjahres, das auf das Gründungsjahr folgt, auf die Hälfte der monatlichen Bezugsgröße, danach auf die volle. Beim Beitragssatz von 2,6 Prozent und einer Bezugsgröße von 3.955 Euro sind das 2026 rund 51 Euro im Monat in der Anfangsphase und rund 103 Euro danach. Scheitert die Gründung, besteht dafür wieder Anspruch auf Arbeitslosengeld. Für jemanden ohne Rücklagen ist das eine der günstigsten Absicherungen überhaupt.
Prüfe außerdem, welche Versicherungen dein Geschäft braucht. Eine Berufshaftpflicht ist für Berater, Planer und IT-Dienstleister oft wichtiger als jede andere Police, weil ein einziger Fehler einen Kunden viel Geld kosten kann. Eine Betriebshaftpflicht deckt Sach- und Personenschäden, etwa wenn du beim Kunden etwas beschädigst.
Steuern: warum das zweite Jahr teuer wird
Im ersten Jahr zahlst du meist keine Einkommensteuer, weil das Finanzamt noch nicht weiß, was du verdienst. Erst nach der Steuererklärung für Jahr 1 kommt der Bescheid, und mit ihm drei Dinge gleichzeitig: die Nachzahlung für Jahr 1, Vorauszahlungen für das laufende Jahr und manchmal eine nachträgliche Erhöhung für Quartale, die schon vorbei sind.
Vorauszahlungen sind nach § 37 EStG am 10. März, 10. Juni, 10. September und 10. Dezember fällig. Erhöht das Finanzamt sie nachträglich, wird der Unterschied für vergangene Quartale innerhalb eines Monats nach dem Bescheid fällig.
- Einkommensteuer für Jahr 1, angenommen
- 4.000 €
- Vorauszahlungen Jahr 2 für Q1 bis Q3, nachträglich
- 3.000 €
- Vorauszahlung Q4, fällig am 10. Dezember
- 1.000 €
- Fällig innerhalb von rund drei Monaten
- 8.000 €
Steuerbetrag frei angenommen. Die Vorauszahlungen orientieren sich in der Regel am Vorjahr, hier ein Viertel von 4.000 € pro Quartal.
Achttausend Euro in einem Herbst, für ein Geschäft mit 30.000 Euro Jahresgewinn. Wer nichts zurückgelegt hat, braucht dann genau das, was ihm fehlt: Kapital. Die einfachste Gegenmaßnahme ist ein zweites Konto, auf das du von jeder Zahlung einen festen Anteil überweist.
Der Grundfreibetrag liegt 2026 bei 12.348 Euro. Bis zu diesem zu versteuernden Einkommen zahlst du keine Einkommensteuer, darüber steigt der Steuersatz progressiv.
Umsatzsteuer und Gewerbesteuer
Als Kleinunternehmer nach § 19 UStG weist du keine Umsatzsteuer aus, solange dein Umsatz im Vorjahr 25.000 Euro nicht überschritten hat und im laufenden Jahr 100.000 Euro nicht überschreitet. Wird die 100.000-Euro-Grenze im laufenden Jahr gerissen, entfällt die Befreiung ab diesem Umsatz. Wer Umsatzsteuer ausweist, sollte sie vom ersten Tag an auf einem separaten Konto parken, sie gehört dir nie.
Gewerbesteuer zahlen Einzelunternehmer erst, wenn der Gewerbeertrag den Freibetrag von 24.500 Euro übersteigt. Oberhalb des Freibetrags wird sie zu einem großen Teil auf die Einkommensteuer angerechnet. Freiberufler zahlen gar keine.
Rechenbeispiel: ein Jahr als Dienstleister
Ein kompaktes Budget für eine hauptberufliche Gründerin ohne Kinder, ohne Angestellte und mit Kleinunternehmerregelung:
- Kranken- und Pflegeversicherung, 12 × 286,08 €
- 3.432,96 €
- Berufshaftpflicht, angenommen
- 300,00 €
- Buchhaltungssoftware, angenommen 12 × 15 €
- 180,00 €
- Telefon, Internet, Hosting, angenommen
- 480,00 €
- Gewerbeanmeldung online (Berlin)
- 15,00 €
- IHK-Beitrag (Kleingewerbe unter 5.200 € Gewinn)
- 0,00 €
- Fixkosten vor Steuern und Lebenshaltung
- 4.407,96 €
Nur der Krankenversicherungsbeitrag und die Berliner Gebühr sind belegte Werte. Die übrigen Beträge sind Platzhalter, ersetze sie durch deine Angebote.
Damit musst du knapp 370 Euro im Monat erwirtschaften, bevor du einen Euro für Miete und Essen übrig hast. Für Buchhaltung und Rechnungen reichen am Anfang Standardwerkzeuge. Individuelle Software, wie sie Studios wie OnlineBuilders bauen, lohnt sich erst, wenn Prozesse wirklich groß werden.
Wie du die Kosten im ersten Jahr klein hältst
Drei Hebel wirken sofort. Nebenberuflich starten spart die Krankenversicherung, solange die Selbstständigkeit Nebensache bleibt; die Regeln stehen im Beitrag zum nebenberuflichen Start. Anzahlungen verschieben Geld nach vorn, siehe Anzahlung verlangen. Und eine ehrliche Runway-Rechnung zeigt, ob das Polster reicht, wie im Beitrag über Bootstrapping beschrieben.
Dein nächster Schritt: Eröffne heute ein zweites Konto und überweise ab sofort bei jeder Kundenzahlung ein Viertel bis ein Drittel des Gewinns dorthin. Einmalige Kosten zum Start stehen im Beitrag über die Kosten der Gewerbeanmeldung.
Häufige Fragen
Was kostet die Krankenversicherung für Selbstständige 2026?
Gesetzlich Versicherte zahlen mindestens auf ein Einkommen von 1.318,33 Euro im Monat. Mit allgemeinem Beitragssatz, durchschnittlichem Zusatzbeitrag von 2,9 Prozent und Pflegeversicherung für Kinderlose sind das rund 278 Euro ohne und 286 Euro mit Krankengeldanspruch. Bei höherem Einkommen steigt der Beitrag bis zur Beitragsbemessungsgrenze.
Muss ich als Selbstständiger in die Rentenversicherung einzahlen?
Die meisten Selbstständigen nicht. Pflichtversichert sind bestimmte Gruppen wie selbstständige Lehrer und Dozenten ohne Angestellte, Hebammen, Pflegepersonen, in die Handwerksrolle eingetragene Handwerker und Künstler und Publizisten über die Künstlersozialkasse. Alle anderen sorgen freiwillig vor.
Warum ist das zweite Jahr der Selbstständigkeit so teuer?
Weil das Finanzamt die Einkommensteuer für das erste Jahr erst nach der Steuererklärung festsetzt. Mit dem Bescheid kommen die Nachzahlung und gleichzeitig Vorauszahlungen für das laufende Jahr, teilweise rückwirkend für bereits vergangene Quartale.
Wie viel sollte ich für Steuern zurücklegen?
Eine pauschale Quote gibt es nicht, weil der Steuersatz vom Gesamteinkommen abhängt. Als vorsichtige Faustgröße bietet sich anfangs ein Viertel bis ein Drittel des Gewinns an, angepasst nach dem ersten Bescheid. Wer Umsatzsteuer ausweist, legt diese zusätzlich vollständig beiseite.